Die Sandbalmhöhle am Eingang des Voralptales auf 1'735 m ü.M. gelegen, gilt als grösste Kristallkluft der Alpen. Mit allen Haupt- und Seitengängen hat sie eine Länge von rund 250 m.
Bereits 1617 wurde der erste Eingang zur Höhle gemeisselt. Am meisten Kristalle wurden in den dreissiger Jahren des 18. Jahrhunderts ans Tageslicht befördert.
1732/33 wurde während des ganzen Winters an der Kluft gearbeitet. 1739 fand man laut Sulzer "900 Stück Crystallen" auf einmal. K.F. Lusser schrieb 1834 in seinem Gemälde der Schweiz: "Reich sind die Gebirge (der Göscheneralp) an schönen und grossen Bergkristallen. Aus einer einzigen Höhle, der bekannten Sandbalm, wurden ehedem über 1000 Centner ausgebeutet." So erstaunt es nicht, dass damals berühmte Naturforscher der Höhle einen Besuch abstatteten. 1742 besichtigte Johann Georg Sulzer (1720-1799) aus Winterthur die grosse Kluft und 1796 besuchte H.B. Saussure aus Genf die stark erweiterte Höhle, die aus einem Labyrinth von Gängen bestand, in welchem man mehr als eine Stunde umherkriechen konnte.
Die grossen wasserklaren Bergkristalle wurden als sogenannte "Mailänderware" vor allem in die Schleifereien Mailands verkauft. Vasen, Schalen, Pokale, profaner und sakraler Schmuck wurden aus den Kristallen herausgearbeitet und weltliche und religiöse Szenen mittels der Technik des Hoch- und Tiefschnittes eingeschliffen. Prunkgefässe enstanden, auf die wir heute noch mit grosser Achtung zurückblicken können.
Die Erträge aus dem Verkauf der Kristalle waren so gross, dass ein Teil für den Bau einer Kapelle in der Göscheneralp gespendet wurde. Bis 1912 wurde dort Messe gelesen. Sie diente von da an als Werkstatt und Webstube. Nebst den grossen Bergkristallen wurden in der Sandbalmhöhle auch Calcit, Apatit, Ankertit, Adular und Glimmer gefunden. Wer Mineralien sammeln will, kommt in der Sandbalmhöhle nicht auf seine Rechnung. Jeder Besucher aber wird von der Grösse dieser Höhle überwältigt sein. Er wird mit Staunen die Arbeit unserer Vorfahren betrachten und sich mit Phantasie die Arbeits- und Lebensweise der einfachen Bergler vorzustellen versuchen. 1963 wurde die Sandbalmhöhle in das Schutzverzeichnis des Natur- und Heimatschutzes aufgnommen.
InfoBox
Aufstieg: ca. 45 Minuten auf zum Teil steilem und schwierigem Gebirgsweg